Gehalt im Vorstellungsgespräch: Wann und wie man darüber spricht

Das Gehalt kommt entweder in der Bewerbung zur Sprache, weil die Anzeige danach fragt, oder gegen Ende des Gesprächs. Wer eine Zahl nennt, nennt eine Jahresbruttosumme oder eine enge Spanne, keine Wunschzahl ohne Bezug.

Von Nele Brandhoff Stand: 2 Minuten Lesezeit
Zwei Menschen sitzen an einem hellen Tisch, zwischen ihnen zwei Tassen, im Hintergrund ein Fenster

Die kurze Antwort

Wenn die Stellenanzeige nach einer Gehaltsvorstellung fragt, gehört sie in den letzten Absatz des Anschreibens, als Jahresbruttogehalt. Wenn sie nicht danach fragt, wartest du, bis das Thema von der anderen Seite kommt, meistens gegen Ende des ersten oder im zweiten Gespräch.

Der Zeitpunkt

Das Gehalt zu früh anzusprechen, verschiebt das Gespräch weg von der Frage, ob die Stelle passt. Es gar nicht anzusprechen, führt zu einem Vertragsangebot, das du dann erst bewerten kannst. Der übliche Weg ist: du wartest, und wenn bis zum Ende des zweiten Gesprächs niemand davon angefangen hat, fragst du selbst.

Wie man eine Zahl nennt

Jahresbrutto, nicht monatlich, und nicht netto. Netto hängt von Steuerklasse und Abzügen ab, die den Arbeitgeber nichts angehen und die er auch nicht kennt.

Eine enge Spanne ist üblicher als eine einzelne Zahl, und sie sollte tatsächlich eng sein. Wichtig ist, dass der untere Wert eine Zahl ist, mit der du zufrieden wärst: er ist die Zahl, über die verhandelt wird.

Nenne dazu, worauf sich die Zahl bezieht, wenn es zu klären ist: Vollzeit oder Teilzeit, mit oder ohne variable Bestandteile, mit oder ohne Zuschläge.

Woher eine realistische Größenordnung kommt

Es gibt öffentlich zugängliche Quellen, und sie sind besser als jede Schätzung:

  • Der einschlägige Tarifvertrag. Wo der Betrieb tarifgebunden ist, steht die Vergütung in der Entgelttabelle, und die ist meistens öffentlich einsehbar. Im öffentlichen Dienst gilt das durchgehend.
  • Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit. Er beruht auf gemeldeten Beschäftigungsdaten und lässt sich nach Beruf und Region auswerten.
  • Statistiken des Statistischen Bundesamtes zu Verdiensten nach Branche und Anforderungsniveau.
  • Angaben in Stellenanzeigen derselben Branche und Region. Seit dem Inkrafttreten der EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht werden sie voraussichtlich häufiger werden.

Ein Hinweis zur Einordnung: Zahlen aus Gehaltsportalen beruhen oft auf freiwilligen Selbstauskünften und sind je nach Beruf und Region unterschiedlich gut belegt. Sie sind ein Anhaltspunkt, keine Messung.

Wenn du im Bestand bist

Wer bereits in einem Betrieb arbeitet, hat unter Umständen einen Auskunftsanspruch nach dem Entgelttransparenzgesetz: In Betrieben mit in der Regel mehr als 200 Beschäftigten kann man erfahren, wie das Vergleichsentgelt für gleiche oder gleichwertige Tätigkeiten aussieht. Der Anspruch hat Bedingungen und Grenzen, aber er existiert.

Was wir nicht wissen

Wir kennen weder deine Qualifikation noch den Betrieb noch die Region und wir sagen niemandem, welche Zahl er nennen soll. Was am Ende gezahlt wird, ist eine Vereinbarung zwischen dir und dem Arbeitgeber.